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Arbeitsspektrum
Luftqualität in Kurorten

Anforderungen an Kurorte 

festgelegt durch die „Begriffsbestimmungen / Qualitätsstandards für Heilbäder und Kurorte, Luftkurorte, Erholungsorte - einschließlich der Prädikatisierungsvoraussetzungen - sowie für Heilbrunnen und Heilquellen“ des Deutschen Heilbäderverbands e.V. und des Deutschen Tourismusverbands e.V.

  • Besondere Richtlinien bezüglich der NO2-Belastung:

    Luftkurorte, Mineral-Heilbäder, Thermal-Heilbäder, Moor-Heilbäder, Kurorte mit Peloid-Kurbetrieb, Kurorte mit Heilstollen-Kurbetrieb, Kurorte mit Heilquellen-Kurbetrieb, Kneipp-Heilbäder, Kneipp-Kurorte, Seebäder mit kurmedizinischem Hintergrund, Felke-Heilbäder, Felke-Kurorte, Schroth-Heilbäder, Schroth-Kurorte

  • Besondere Richtlinien bezüglich der NO2- und der Schwebstaub-PM10(Feinstaub)-Belastung:

    Seeheilbäder, Heilklimatische Kurorte

  • Die festgesetzten kurörtlichen Richtwerte sind an der Mess- und Probenahmestelle im Kurpark und im Ortszentrum einzuhalten.

 

NO2 [µg/m³]

PM10 [µg/m³]

Gesetzlicher Grenzwert
(Jahresmittelwert)

40

40

 

Kurpark/Ortszentrum

Kurpark/Ortszentrum

Luftkurorte,
Inlandheilbäder

20 / 24

Keine Messung

Seeheilbäder,
heilklimatische Kurorte

16 / 20

Keine Messung / 20

 

Ruhebereich/Therapiebereich

Ruhebereich/Therapiebereich

Heilstollen-Kurbetrieb
(untertage)

10 / 10

Keine Messung / 10

Die Messungen müssen nach der Prädikatisierung alle zehn Jahre wiederholt werden. Bei Kurorten mit Heilquellen-Kurbetrieb, Kurorten mit Peloid-Kurbetrieb, Schroth-Kurorten, Felke-Kurorten und Kneipp-Kurorten müssen die Messungen alle zehn Jahre nur durchgeführt werden, wenn der Verdacht besteht, dass die Grenzwerte nicht eingehalten werden.

  • Messverfahren NO2:
    passive Messverfahren wie Diffusionsröhrchen und Berechnungen nach Palmes oder mindestens gleichwertige Verfahren

  • Messverfahren PM10:
    in der Regel mit Aktivsammlern und anschließender gravimetrischer oder mindestens gleichwertiger optischer Auswertung

  • Messzeitraum:
    1 Jahr oder Mitte Januar bis Mitte Juli bzw. Mitte Juli bis Mitte Januar des Folgejahres

Stickstoffdioxid NO2

  • Rotbraunes, ätzendes Reizgas, führt zu Kopfschmerzen und Schwindel, schädigt in höheren Konzentrationen das Schleimhautgewebe im gesamten Atemtrakt, reizt die Augen, führt zu Atemnot, Husten, Bronchitis, Lungenödemen und Lungenfunktionsminderung und lässt die Anfälligkeit für Atemwegsinfekte steigen

  • Es gibt Hinweise auf einen Zusammenhang zwischen der zeitnahen Belastung mit NO2 und der Zunahme der Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie der Sterblichkeit in der Bevölkerung

  • Vorwiegend aus anthropogenen Quellen: Verbrennungsprozesse (Verkehr, Brände, industrielle Prozesse)

Messverfahren NO2

  • Aufbau Diffusionsröhrchen:

    Metallgitter als Träger der Chemikalie Triethanolamin befinden sich am verschlossenen Ende des Plastikröhrchens. Durch Abnahme der roten Kappe am anderen Ende beginnt die Messung. Die Röhrchen werden unter einem Wetterschutz befestigt. Eine Membran kann am offenen Ende zum Schutz gegen turbulente Windströmungen eingesetzt werden.

  • Funktionsweise Diffusionsröhrchen:

    Durch Konzentrationsunterschiede zwischen der Umgebungsluft und dem Inneren des Röhrchens diffundiert NO2 in das Röhrchen und wird durch Triethanolamin in Form seines Anions Nitrit gebunden.

  • Auswertung Diffusionsröhrchen:

    Die Konzentration des Nitrits wird in einem Ionenchromatographen festgestellt und auf die Stickstoffdioxidkonzentration in der Luft zurückgerechnet. Dafür ist es wichtig, die Expositionsdauer des Röhrchens zu kennen.

  • Messung in Kurorten und Heilbädern:

    Da die Messungen über ein halbes oder ein ganzes Jahr laufen, müssen die Diffusionsröhrchen regelmäßig gewechselt werden. Es wird stets mit mindestens zwei Röhrchen gemessen, mit einem im Kurpark und einem im Ortzentrum. Zur Kontrolle können Blind- und Doppelproben durchgeführt werden. Im Normalfall werden die Röhrchen zwei Wochen lang exponiert und dann ausgetauscht. Die verwendeten Röhrchen werden anschließend wieder verschlossen, kühl gelagert und zur Auswertung an die Hydroisotop GmbH gesendet.

Schwebstaub PM10 (Feinstaub)

  • Partikel mit aerodynamischem Durchmesser (d.h. Partikel, welche die gleiche Sinkgeschwindigkeit in ruhender Luft aufweisen wie ein kugelförmiges Teilchen mit ebendiesem Durchmesser und Dichte 1 g/m³ (Wasser) von kleiner als 10 μm

  • PM10 dringt bis in die Nasenhöhle ein,
    PM2,5 (Anteil von PM10 mit Durchmesser kleiner als 2,5 μm) bis in die Bronchien und Lungenbläschen,
    Ultrafeinstaub (Anteil mit Durchmesser kleiner 0,1 μm) bis ins Lungengewebe und den Blutkreislauf
  • Schleimhautreizungen, lokale Entzündungen in Rachen, Luftröhre und Bronchien bis zu Plaquebildung in Blutgefäßen, Thromboseneigung, Veränderung der Regulierungsfunktion des vegetativen Nervensystems
  • Anthropogene Quellen:
    Kraftfahrzeuge, Kraft- und Fernheizwerke, Abfallverbrennungsanlagen, Öfen und Heizungen, Schüttgutumschlag, Tierhaltung, Industrieprozesse
    Natürliche Quellen:
    Emissionen aus Vulkanen und Meeren, Bodenerosion, Wald- und Buschfeuer, biogene Aerosole (Viren, Pilz- und Bakteriensporen)

Messverfahren PM10

Aktivsammler saugen über eine Pumpe Umgebungsluft an. Der Feinstaub sammelt sich auf einem Filter. Die Filter werden vor und nach der Exposition gewogen und aus der Massendifferenz wird die Schwebstaubkonzentration berechnet. Je nach Bauart des Aktivsammlers müssen die Filter nach der Expositionsdauer ausgewechselt werden oder werden vom Gerät selbst getauscht. Aktivsammler benötigen einen Stromanschluss.